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Tierkrankenversicherung Ratgeber 2026: OP, Vollschutz & Wartezeiten verständlich erklärt

OP-Versicherung, Vollschutz oder gar nichts? Was die GOT 2022 für Halterinnen und Halter bedeutet, wie sich Tarife wirklich unterscheiden — und warum der Stiftung-Warentest-Sieger 2025 sich auf der Notdienst-Rechnung auszahlt.

Anil Anik
Anil Anik
Gebundener Versicherungsvertreter, BarmeniaGothaer
Veröffentlicht 08.04.202612 Min. Lesezeit

Wer als Hunde-, Katzen- oder Pferdehalter zum ersten Mal eine Rechnung über mehrere tausend Euro für eine Operation bekommt, fragt sich rückblickend genau eines: Warum hatte ich eigentlich keine Versicherung? Dieser Beitrag beantwortet genau das — sachlich, mit Verweis auf die deutsche Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) und auf den aktuellen Stiftung-Warentest-Vergleich. Kein Marketing, keine Versprechungen — nur das, was Halterinnen und Halter wirklich brauchen, um eine Entscheidung zu treffen.

OP-Versicherung oder Krankenvollversicherung — wo liegt der Unterschied?

Kurz: OP-Versicherung zahlt nur bei Operationen (Narkose, Sedierung, Lokalanästhesie) inkl. Vor- und Nachsorge; die Krankenvollversicherung deckt zusätzlich ambulante Behandlungen, Medikamente, Vorsorge und Impfungen. Vollschutz kostet typisch das Doppelte bis Dreifache der reinen OP-Police.

Es gibt im deutschen Markt zwei klar getrennte Produkt-Familien für Tiere, die regelmäßig miteinander verwechselt werden. Beide kosten ähnlich, leisten aber unterschiedlich.

Eine OP-Versicherung zahlt nur, wenn dein Tier operiert wird. Operationen sind dabei alle Eingriffe, die unter Vollnarkose, Sedierung oder Lokalanästhesie stattfinden — also vom Kreuzbandriss über die Magendrehung bis zur Tumorentfernung. Auch die operationsvorbereitende Untersuchung (Röntgen, Blutbild, Endoskopie), die eigentliche Operation, die postoperative Versorgung sowie die Nachbehandlung in einem definierten Zeitraum sind Bestandteil. Was nicht enthalten ist: ambulante Behandlungen ohne Narkose, Medikamente außerhalb der OP-Phase, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen.

Eine Krankenvollversicherung (oft Krankenversicherung oder Gesundheitsschutz genannt) deckt die OP-Kosten zusätzlich zu allen anderen Tierarztrechnungen ab — dazu gehören also Erkältungen, allergische Reaktionen, chronische Erkrankungen wie Allergien oder Schilddrüsen-Probleme, Zahnreinigungen, Impfungen und in höheren Tarifstufen sogar physiotherapeutische Behandlungen. Dieser Schutz ist umfassender, kostet aber pro Monat regelmäßig das Doppelte bis Dreifache einer reinen OP-Versicherung.

Faustregel aus der Beratungspraxis: Wer den finanziellen Schutz vor Existenzbedrohenden Tierarztrechnungen sucht — also vor Beträgen über 1.500 € — ist mit einer OP-Versicherung gut bedient. Wer die jährlichen Routine-Kosten planbar machen will, braucht den Krankenvollschutz.

Was kostet ein Tierarztbesuch heute? — Die GOT 2022 erklärt

Kurz: Die GOT-Novelle (Bundesrat 14.10.2022, in Kraft seit 22.11.2022) hat tierärztliche Leistungen im Schnitt um etwa 20 % erhöht. Tierärzte dürfen außerhalb der Sprechzeiten 2-fach, im Notdienst 3- oder 4-fach abrechnen — die Wochenend-Notfall-OP wird dadurch deutlich teurer als der gleiche Eingriff werktags.

Eine Bemerkung zum Hintergrund, ohne die der Rest des Beitrags wenig Sinn ergibt: Tierärzte in Deutschland rechnen ihre Leistungen nicht frei ab, sondern verbindlich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Diese Verordnung — Rechtsgrundlage ist § 12 der Bundes-Tierärzteordnung — wurde am 14. Oktober 2022 vom Bundesrat in einer grundlegend überarbeiteten Fassung beschlossen und trat am 22. November 2022 in Kraft. Sie war zuvor seit dem Jahr 1999 nahezu unverändert.

Die GOT 2022 hat die Grundgebühren für tierärztliche Leistungen im Schnitt um etwa 20 Prozent erhöht — bei einzelnen Leistungen (zum Beispiel der allgemeinen Untersuchung mit Beratung) betrug die Erhöhung sogar mehr. Die Bundestierärztekammer begründet die Anpassung mit gestiegenen Personal-, Energie- und Materialkosten und mit der Einführung neuer Ziffern, die moderne diagnostische Verfahren wie die digitale Bildgebung erstmals abrechenbar machen.

Was bedeutet das praktisch?

  • Eine Allgemeine Untersuchung mit Beratung kostete vor der Reform rund 13,46 € (1-facher Satz). Sie kostet heute rund 23,62 €.
  • Eine Kreuzband-OP beim Hund (TPLO oder TTA) liegt heute regelmäßig zwischen 1.800 € und 3.500 € — abhängig von Hundegröße, Klinik und ob Komplikationen auftreten.
  • Eine Magendrehung als Notfall (häufig bei großen Rassen wie Deutscher Dogge, Schäferhund) verursacht Kosten zwischen 1.500 € und 2.800 €, fast immer mit Notdienstgebühr.
  • Eine Knochenbruch-OP (Plattenosteosynthese) bei Hunden mittlerer Größe liegt zwischen 1.500 € und 3.000 €.

Wichtig zu wissen: Tierärzte dürfen außerhalb der regulären Sprechzeiten den 2-fachen, im Notdienst (nachts, an Wochenenden, Feiertagen) den 3-fachen oder sogar 4-fachen Gebührensatz abrechnen. Eine Notfall-OP an einem Sonntag-Morgen kann deshalb deutlich teurer ausfallen als der gleiche Eingriff dienstags um 11 Uhr — ein Aspekt, den viele Halterinnen und Halter erst dann verstehen, wenn sie die Rechnung in der Hand halten.

Beiträge im Überblick — was kostet eine Tierversicherung wirklich?

Kurz: Beitragsspanne sehr breit je nach Tierart, Alter, Rasse, Tarifstufe und Selbstbeteiligung. Stiftung Warentest 05/2025 fand bei 121 Hunde-OP-Tarifen Beiträge von rund 8 € bis weit über 60 €/Monat. Entscheidende Stellschrauben: Eintrittsalter, Rasse-Zuschläge, Selbstbeteiligung und der erstattete GOT-Faktor.

Die monatlichen Beiträge schwanken stark nach Tierart, Alter, Rasse, Tarifstufe und gewählter Selbstbeteiligung. Verlässliche Vergleichswerte liefert der Stiftung-Warentest-Test in Finanztest 05/2025: Dort wurden 121 Hunde-OP-Tarife getestet — die Spanne der Monatsbeiträge reichte je nach Anbieter und Hundeart von rund 8 € bis weit über 60 €.

Konkrete Größenordnungen aus der Beratungspraxis (Stand Anfang 2026, Beträge sind Beispielwerte für ein typisch versichertes Tier):

TierOP-VersicherungKrankenvollversicherung
Hund (3 Jahre, mittelgroß)ca. 18–35 €/Monatca. 45–95 €/Monat
Katze (2 Jahre)ca. 12–22 €/Monatca. 28–55 €/Monat
Pferd (8 Jahre, Reitpferd)ca. 30–60 €/Monat(kein Vollschutz, OP üblich)

Was den Beitrag konkret beeinflusst:

  • Eintrittsalter — je früher du dein Tier versicherst, desto günstiger und ohne Risikozuschläge.
  • Rasse — Rassen mit bekannten genetischen Belastungen (z. B. Französische Bulldogge, Berner Sennenhund, Mops, Britisch Kurzhaar) zahlen oft Risikozuschläge oder werden mit Leistungsausschlüssen für die typischen Rasseerkrankungen belegt.
  • Selbstbeteiligung — wer einen jährlichen Selbstbehalt von 20 % oder einen Mindestbetrag akzeptiert, spart oft 20–40 % Beitrag.
  • GOT-Faktor — Tarife unterscheiden sich darin, bis zu welchem Faktor (2-fach, 3-fach, 4-fach) sie den GOT-Satz erstatten. Im Notdienst macht das schnell mehrere hundert Euro Differenz.

Wartezeiten — die kleinen Zahlen mit der großen Wirkung

Kurz: Allgemeine Wartezeit 30 Tage für Krankheits-OPs, bei Unfällen keine. Für genetisch bedingte oder chronische Erkrankungen (HD, ED, Patellaluxation, Kreuzbandriss, Diabetes) gelten verlängerte Wartezeiten von 6 bis 18 Monaten. Wer das verschläft, zahlt im akuten Fall trotz laufenden Beitrags.

Praktisch jede deutsche Tierversicherung legt Wartezeiten zwischen Vertragsbeginn und vollem Leistungsanspruch fest. Wer das übersieht, zahlt im schlimmsten Fall jahrelang Beitrag und steht im akuten Krankheitsfall trotzdem ohne Schutz da.

Typische Werte am deutschen Markt:

  • Allgemeine Wartezeit (gilt für alle Krankheits-OPs): 30 Tage ab Vertragsbeginn.
  • Bei Unfällen: keine Wartezeit. Sobald der Vertrag in Kraft ist (ab dem 1. Tag der Versicherung), greift der Schutz bei Unfällen sofort.
  • Verlängerte Wartezeiten: Für bestimmte chronische Erkrankungen — Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellenbogendysplasie (ED), Patellaluxation, Kreuzbandriss, Diabetes — gelten oft 6 bis 18 Monate Wartezeit. Das ist branchenweit üblich, weil diese Erkrankungen häufig schon Vorerkrankungen sind, ohne dass es dem Halter bewusst ist.

Praktisch heißt das: Wer im ersten Vertragsmonat zur Routine-Vorsorge geht und ein bisher unbekannter Tumor entdeckt wird, hat in vielen Tarifen Pech. Wer das Tier noch jung versichert und drei Jahre lang ohne Inanspruchnahme zahlt, kommt ab dem dritten Jahr in den vollen Schutz — auch für die teuren Diagnosen wie ED und HD. Das ist einer der wichtigsten Gründe, dafür mit der Versicherung früh anzufangen, nicht erst dann, wenn das Tier krank wird.

Vorerkrankungen — was geht noch, was geht nicht mehr?

Kurz: Wahrheitsgemäße Angabe ist Pflicht — Verschweigen riskiert Anfechtung wegen arglistiger Täuschung. Mögliche Reaktionen des Versicherers: Annahme zum Normalbeitrag, Leistungsausschluss für die Vorerkrankung, Risikozuschlag oder Ablehnung. Bei alten Tieren lohnt sich oft ein Zweit-Angebot, weil die Bewertung anbieterabhängig schwankt.

Die häufigste Frage, die ich als Versicherungsvertreter höre: „Mein Hund hat schon eine Vorerkrankung — bekomme ich überhaupt noch Schutz?" Die Antwort hängt vom Zustand und vom gewählten Tarif ab.

Bei der Antragstellung gilt: Du bist verpflichtet, alle bisherigen Erkrankungen, Operationen und chronischen Beschwerden wahrheitsgemäß anzugeben. Wer hier schweigt oder verharmlost, riskiert im Schadenfall die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung — das heißt, der Versicherer kann den Vertrag rückwirkend kündigen und Beiträge wie Leistungen zurückfordern.

Mögliche Reaktionen des Versicherers, je nach Befund:

  1. Annahme zum Normalbeitrag — bei harmlosen, abgeheilten Befunden (z. B. einmaliger Magen-Darm-Infekt vor zwei Jahren).
  2. Annahme mit Leistungsausschluss — die betroffene Erkrankung und alle Folgeerkrankungen sind ausgeschlossen, der Rest des Schutzes greift normal. Das ist der häufigste Fall bei chronischen Befunden.
  3. Annahme mit Risikozuschlag — du zahlst einen erhöhten Beitrag, dafür bleibt der volle Leistungsumfang erhalten.
  4. Ablehnung — bei sehr ausgeprägten chronischen Erkrankungen oder bei sehr alten Tieren.

Tipp aus der Praxis: Wer ein älteres Tier versichern will, sollte vor der Antragstellung beim eigenen Tierarzt eine schriftliche Zusammenfassung des bisherigen Behandlungsverlaufs einholen. Das spart später Diskussionen und macht die Risikoprüfung schneller. Wenn ein Versicherer ablehnt, lohnt es sich oft, einen anderen Anbieter zu prüfen — die Bewertungsmaßstäbe variieren.

Stiftung Warentest 05/2025 — der aktuelle Test im Detail

Kurz: Stiftung Warentest hat 121 Hunde-OP-Tarife getestet. Testsieger ist der BarmeniaGothaer-Tarif Premium OP SB 0 mit der Note SEHR GUT (1,3) — Maßgeblich waren 4-fach GOT-Satz im Notdienst, keine Selbstbeteiligung in der getesteten Variante und klar formulierte AVB. Krankenvollversicherungen wurden separat geprüft (zuletzt 2024).

Der jüngste umfassende Vergleich kommt von Stiftung Warentest. In Finanztest, Ausgabe 05/2025, hat das Institut 121 OP-Tarife für Hunde untersucht und nach einheitlichen Kriterien bewertet — Erstattungshöhe, GOT-Faktor, Wartezeiten, Nachbehandlungsfristen, Auslandsschutz und Vertragsklarheit gingen ins Urteil ein.

Testsieger wurde der Tarif Premium OP SB 0 der BarmeniaGothaer mit der Note „SEHR GUT (1,3)". Im Vergleich mit allen 121 Tarifen war das die beste vergebene Note — keine andere OP-Versicherung erhielt 2025 ein besseres Ergebnis. Maßgeblich für das Urteil waren:

  • Erstattung bis zum 4-fachen GOT-Satz im Notdienst — viele Konkurrenztarife beschränken sich auf den 3-fachen Satz, was bei Notfall-OPs schnell mehrere hundert Euro Eigenanteil bedeutet.
  • Keine Selbstbeteiligung in der getesteten Variante — der gesamte erstattungsfähige Betrag wird ohne Abzug bezahlt.
  • Klar formulierte AVB — Wartezeiten, Ausschlüsse und Nachbehandlungsfristen waren transparent und ohne versteckte Klauseln dargestellt.

Wichtig: Das Testergebnis bezieht sich ausdrücklich auf die OP-Versicherung. Für reine Krankenvollversicherungen führt Stiftung Warentest einen separaten Test, der zuletzt 2024 erschien.

Disclaimer: Auch ein Testsieger bedeutet nicht „bester Tarif für jede Lebenssituation". Es bedeutet: bester Durchschnittstarif unter den geprüften 121 nach den Test-Kriterien. Welcher Tarif für deinen Hund am besten passt, hängt von Rasse, Alter, Vorerkrankungen und persönlichem Risikoprofil ab.

Hund vs. Katze vs. Pferd — was ist anders?

Kurz: Bei Hunden dominieren akute OPs (Kreuzbandriss, Magendrehung) — OP-Police passt für die meisten. Bei Katzen sind chronische Diagnosen häufiger (Niere, Schilddrüse, Tumore) — Krankenvollversicherung passt strukturell besser. Bei Pferden gibt es selten Vollkranken — die OP-Police mit Klinik-Kosten von 5.000-10.000 € ist Standard.

So sehr sich die Versicherungsmodelle ähneln — die typischen Schadenmuster und damit die wichtigen Tarif-Details unterscheiden sich pro Tierart deutlich.

Hund

Häufigste OP-Anlässe: Kreuzbandriss (besonders bei mittelgroßen und großen Rassen), Magendrehung (bei Doggen, Schäferhunden), Tumor-Operationen, Kniescheibenluxation (bei kleinen Rassen wie Yorkshire, Pomeranian) und Bandscheibenvorfall (bei Dackel, Pekinese, Französischer Bulldogge). Eintrittsalter in deutschen Tarifen üblicherweise vom 3. Lebensmonat bis zum 9. Geburtstag, danach kein Neueinschluss. Wer einen alten Hund hat, sollte einen reinen Unfall-OP-Tarif prüfen — diese sind oft alters-unabhängig.

Katze

Häufigste OP-Anlässe: Niereninsuffizienz (Hauptursache für tierärztliche Konsultationen bei älteren Katzen), Tumor-Operationen, Kastration, Zahnsanierung (oft mit Vollnarkose), Trauma-Folgen durch Verkehrsunfälle bei Freigängern. Reine Wohnungskatzen profitieren erfahrungsgemäß stärker von einer Krankenvollversicherung als von der reinen OP-Versicherung — die ambulanten Tierarzt-Besuche bei chronischen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Hyperthyreose summieren sich über die Lebenszeit deutlich.

Pferd

Pferde-Versicherung läuft in Deutschland strukturell anders: Eine Pferde-Krankenvollversicherung nach Vorbild der Hunde-/Katzenversicherung gibt es nur bei sehr wenigen Anbietern und ist sehr teuer. Üblich ist deshalb die Pferde-OP-Versicherung als reine OP-Absicherung — die typischen großen Pferde-OPs (Kolik-OP mit Bauchschnitt, Frakturen, Sehnenverletzungen) verursachen schnell Kosten von 5.000 € bis 10.000 €. Eine Kolik-OP, die in einer Pferdeklinik stationär durchgeführt wird, kann mit Nachbehandlung leicht 8.000 € überschreiten. Hier ist die OP-Versicherung daher nicht nur sinnvoll, sondern wird von vielen Reitern und Pferdebesitzerinnen als wirtschaftliche Notwendigkeit gesehen.

Lohnt sich eine Tierversicherung überhaupt? — Eine ehrliche Einschätzung

Kurz: Statistisch ist Tierversicherung ein Verlustgeschäft im Erwartungswert — versichert wird das Tail-Risk, also die einzelne 4.000-€-OP, bevor die Rücklage so weit ist. Drei Faustregeln: früh versichern, OP statt Vollschutz, AVB einmal komplett lesen.

Diese Frage stellt jeder Halter, der über die Jahre 200, 300 oder mehr Euro pro Monat an seinen Tierversicherer überweist, ohne jemals eine Leistung in Anspruch genommen zu haben. Die nüchterne Antwort:

Statistisch gesehen ist eine Tierversicherung wie jede andere Versicherung ein Verlustgeschäft — der Versicherer kalkuliert seine Beiträge so, dass im Durchschnitt mehr eingenommen als ausgezahlt wird, sonst wäre er insolvent. Wer jeden Monat 25 € zur Seite legt, kommt in zehn Jahren auf 3.000 € Eigenrücklage — das deckt eine durchschnittliche Hunde-OP einmal komplett ab.

Versicherungstechnisch gesehen schützt dich die Tierversicherung aber genau vor dem Szenario, das niemand kalkulieren kann: dem einen katastrophalen Eingriff, der 4.000 € oder mehr kostet, bevor deine Rücklage so weit ist. In der Praxis ist die Bandscheiben-OP beim drei Jahre alten Dackel oder die Kolik-OP beim acht Jahre alten Wallach genau dieses Szenario.

Drei Faustregeln aus zehn Jahren Praxis:

  1. Versichere früh — der günstigste und vollumfänglichste Schutz wird im ersten Lebensjahr abgeschlossen, ohne Risikozuschläge.
  2. Versichere die OP, nicht die Vorsorge — der Vollschutz ist teuer, die OP-Versicherung deckt 80 % des wirklich existenzbedrohenden Risikos zum Drittel des Beitrags.
  3. Lies die AVB einmal komplett, bevor du unterschreibst — vor allem den Abschnitt zu Wartezeiten, Nachbehandlungsfristen und Risikozuschlägen. Wer das einmal gemacht hat, vermeidet die häufigsten Schaden-Diskussionen später.

Häufige Fragen

Greift die Versicherung sofort nach Vertragsabschluss?

Bei Unfällen ja — ab dem 1. Tag des Versicherungsbeginns. Bei Krankheits-OPs gilt regelmäßig eine 30-tägige allgemeine Wartezeit, bei bestimmten chronischen Erkrankungen (HD, ED, Patellaluxation, Kreuzbandriss) verlängerte Wartezeiten von 6 bis 18 Monaten. Die genauen Fristen stehen in den jeweiligen AVB des Tarifs.

Was passiert, wenn mein Hund während des Versicherungslaufs eine Erkrankung entwickelt?

Genau das ist der Versicherungsfall, für den du einzahlst. Solange die Erkrankung nach Versicherungsbeginn aufgetreten ist und keine bestehende Vorerkrankung darstellt, übernimmt die Versicherung die OP-Kosten innerhalb der vereinbarten Tariflimits — auch wenn die Behandlung erst Jahre später erforderlich wird. Allerdings: Bei einer Krankenvollversicherung kann sich der Beitrag mit zunehmendem Alter und Schadenverlauf erhöhen.

Kann ich die Versicherung kündigen, wenn ich sie nicht mehr brauche?

Ja. Tierkrankenversicherungen sind nach den allgemeinen Bestimmungen des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) zum Ablauf des Versicherungsjahres mit Frist von einem Monat kündbar. Außerdem haben Versicherte ein außerordentliches Kündigungsrecht nach dem Schadenfall sowie bei Beitragserhöhungen. Wichtig: Wer kündigt und später neu abschließen will, beginnt jede Wartezeit von vorne — und hat möglicherweise nun einen Risikozuschlag.

Was bedeutet GOT-Faktor in den AVB?

Tierärzte rechnen ihre Leistungen nach der Gebührenordnung mit einem Steigerungsfaktor zwischen dem 1-fachen und dem 3-fachen Satz ab — im Notdienst bis zum 4-fachen. Versicherer geben in den AVB an, bis zu welchem Faktor sie erstatten. Ein Tarif, der „bis zum 4-fachen Satz im Notdienst" erstattet, deckt also auch teure Wochenend-OPs vollständig; ein Tarif mit „bis zum 2-fachen Satz" lässt einen Eigenanteil im Notdienst.

Reicht eine Sparkonto-Rücklage statt einer Versicherung?

Theoretisch ja — wenn du diszipliniert sparst und im Schadenfall nicht zufällig genau in den ersten Monaten der Tierhaltung trifft. Praktisch hat eine Versicherung den Vorteil, dass der Schutz vom ersten Tag an in voller Höhe besteht (bei Unfällen) und die Rücklage nicht gleichzeitig für andere Notfälle (Auto, Zahnarzt, Stromausfall) zur Verfügung steht. Wer beides kombiniert — eine OP-Versicherung plus eine kleine monatliche Tier-Rücklage für die ambulanten Kosten — ist am robustesten aufgestellt.

Was kostet eine erste Tierarzt-Beratung zu meinem Tier?

Allgemeine Untersuchung mit Beratung kostet nach GOT 2022 ungefähr 23,62 € (1-facher Satz), bei spezialisierten Beratungen entsprechend mehr. Der genaue Betrag steht auf der Rechnung als „Ziffer 100" oder „Ziffer 102" der GOT.

Wo finde ich offizielle Informationen zur GOT?

Die GOT ist eine Bundesverordnung; die offizielle Quelle ist das Bundesgesetzblatt sowie die Webseite der Bundestierärztekammer, die Praxisanwendungen und Erläuterungen zur GOT 2022 bereitstellt. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat zur Reform 2022 eine ausführliche Pressemitteilung veröffentlicht.


Wer nach diesem Beitrag konkrete Tarife vergleichen möchte: Auf selbst-versichert.de findest du die einzelnen Tarif-Detailseiten zu Hunde-OP, Katzen-OP, Pferde-OP sowie zu den Krankenvollversicherungen für Hund und Katze, jeweils mit AVB-Verlinkung und ehrlichen Preisspannen. Wer lieber persönlich besprechen möchte, welcher Tarif zu Rasse, Alter und Lebenssituation passt — Anil schaut sich das gerne in einem unverbindlichen Gespräch mit dir an.

Quellen

  1. Stiftung Warentest, Finanztest 05/2025: Hunde-Krankenversicherung — 121 OP-Tarife im Test (test.de)
  2. Bundestierärztekammer (BTK) — Informationen zur Gebührenordnung für Tierärzte
  3. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) — Hintergrund zur GOT-Novelle 2022
  4. Bundesrat — Beschluss zur Gebührenordnung für Tierärzte (Sitzung am 14.10.2022)
  5. Verbraucherzentrale — Ratgeber Tierkrankenversicherung
  6. Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) — Heimtierhaltung in deutschen Haushalten
  7. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
  8. BarmeniaGothaer — AVB Tier-OP Premium (A 3392-09, Stand 01.01.2024); im Repo unter /avb/tier-op/tier-op-avb.pdf

Stand der Information: zum Veröffentlichungsdatum dieses Beitrags. Tarif- und Gebührenangaben können sich ändern. Dieser Beitrag dient zur allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Verbindlich sind ausschließlich die jeweiligen Versicherungsbedingungen und Tarifinformationen.

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