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Kissing Spines beim Pferd: OP-Kosten, Behandlung und Versicherung

Dornfortsatz-Engstellung beim Pferd: Diagnose per Röntgen plus Szintigraphie, ISLD-OP minimal-invasiv ab 1.800 €, klassische Resektion bis 8.000 €. Warum die 12-monatige Reha den Premium-Schutz rechtfertigt.

Anil Anik
Anil Anik
Gebundener Versicherungsvertreter, BarmeniaGothaer
Veröffentlicht 01.05.202610 Min. Lesezeit

Das Pferd geht nicht mehr in die Anlehnung. Es kippt beim Aufsteigen weg, schlägt nach hinten aus beim Gurten, lässt den Rücken im Schritt nicht mehr durchschwingen. Der Sattler war da, der Physiotherapeut auch. Die Schmerzmittel-Spritze beim Tierarzt hilft drei Tage, dann fängt es wieder an. Spätestens nach dem dritten Anlauf kommt der Röntgenwagen, und auf dem Bild stehen sie nebeneinander wie zu eng gestellte Zaunpfähle: die Dornfortsätze der Brustwirbel. Diagnose: Kissing Spines.

Warum dieser Artikel

Ich bin Anil Anik, gebundener Versicherungsvertreter (§ 34d Abs. 7 GewO) der BarmeniaGothaer. Ich vermittle Pferde-OP-Versicherungen — das heißt, ich verdiene mit, wenn du eine Police abschließt. Genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag möglichst nüchtern: Kissing Spines ist das Thema, bei dem in Reiterforen am meisten halbgares Wissen kursiert und in Klinik-Werbung am meisten Geld auf dem Tisch liegt. Beides hilft dir nicht beim Entscheiden.

Wenn du nach dem Lesen eine Versicherung abschließt, ist das gut. Wenn du dich gegen sie entscheidest, weil du ein gesundes Jungpferd hast oder die Operation und ihre 12-monatige Reha bewusst aus eigener Tasche tragen würdest, ist das ebenfalls gut. Aber du sollst es entscheiden können — und dazu brauchst du Zahlen, die nicht aus dem Verkaufsprospekt einer Klinik kommen.

Was Kissing Spines überhaupt ist

Kissing Spines beschreibt die Berührung oder das Aneinander­reiben der Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbel — in der Veterinärmedizin als „Overriding Dorsal Spinous Processes" (ORDSP) oder „Engstellung der Dornfortsätze" bezeichnet. Wo zwischen gesunden Dornfortsätzen 5 bis 10 Millimeter Abstand liegen, schiebt sich bei Kissing-Spines-Pferden Knochen an Knochen, oft mit knöchernen Auf­treibungen, sklerotischen Rändern und manchmal sogar Pseudoarthrosen.

Veterinär-statistisch ist die Engstellung der Dornfortsätze überraschend häufig: Röntgen-Studien an Reitpferd-Populationen zeigen radiologisch sichtbare Veränderungen bei einem nennenswerten Teil der Tiere. Die deutlich kleinere Gruppe ist die, bei der die radiologischen Befunde mit klinischen Rückenschmerzen korrelieren — denn nicht jeder Röntgen­befund führt zu Symptomen.

Häufige prädisponierende Faktoren:

  • Rasse und Konformation — Warmblüter (vor allem mit langem Rücken), aber auch Quarter Horses sind überrepräsentiert
  • Alter — die meisten symptomatischen Fälle entstehen zwischen 5 und 10 Jahren, wenn die Belastung im Training zunimmt
  • Reit­einsatz — Dressur und Springen mit langer Sitz-Phase belasten den thoraco-lumbalen Übergang stärker als Geländearbeit
  • Sattel-Passform und Reiter-Sitz — chronische Asymmetrien begünstigen die Manifestation
  • Schlechte Bauchmuskulatur und mangelnde Rumpfträger-Aktivität — der Rücken fällt ein, die Dornfortsätze rücken näher zusammen

Kissing Spines ist damit weniger eine plötzlich auftretende Krankheit als eine schleichende strukturelle Anpassung, die irgendwann symptomatisch wird.

Wie die Diagnose gestellt wird

Die saubere Diagnose Kissing Spines braucht mehr als ein Röntgenbild. In den Pferdekliniken hat sich folgendes Untersuchungs-Schema etabliert:

  • Klinische Lahmheits-Untersuchung und Rücken-Palpation — Druck­empfindlichkeit über den Dornfortsätzen, asymmetrische Muskulatur, Verspannungen
  • Reit-Untersuchung — wie das Pferd unterm Sattel geht (Anlehnungs­verweigerung, Buckeln, Wegkippen)
  • Röntgen seitlich vom Widerrist bis zur Lendenwirbel­säule — Standard­darstellung der Dornfortsatz-Engstellung, oft mit Klassifikation in 4–5 Grade (Berner Klassifikation)
  • Szintigraphie (Knochenszintigramm) — zeigt, ob die radiologisch engen Dornfortsätze auch stoffwechselaktiv sind, also tatsächlich Schmerz machen. Das ist der kritische Schritt: ohne Szintigraphie operiert keine seriöse Klinik
  • Diagnostische Anästhesie — gezielte Lokal­anästhesie der verdächtigen Dornfortsätze; wenn das Pferd anschließend für 1–2 Stunden symptomfrei reitet, ist die Ursachen-Zuordnung weitestgehend gesichert

Erst wenn alle drei Bausteine zusammenpassen — radiologische Engstellung, szintigraphische Aktivität, positive Anästhesie-Reaktion — wird operiert. Nur Röntgen ohne klinische Korrelation reicht nicht.

Die Therapie-Stufen: konservativ vor operativ

Bevor in einer guten Klinik das Skalpell gezückt wird, durchläuft das Pferd in der Regel mehrere Monate konservativer Therapie. Diese Stufenleiter ist sowohl klinisch als auch wirtschaftlich sinnvoll:

Stufe 1: Konservativ

  • Aufbau-Training mit Schwerpunkt Rumpfträger-Stärkung: lange Cavaletti-Arbeit am langen Zügel, viel Geländeritt im Schritt mit Bergauf, Stangen-Arbeit. Ziel ist, den Rücken aktiv auf­zuwölben und die Dornfortsätze passiv zu trennen.
  • Stoßwellen-Therapie über die betroffenen Wirbel — meist 3–5 Behandlungen im Abstand von 7–14 Tagen
  • Lokale Cortison-Infiltration zwischen die Dornfortsätze (ultraschall- oder fluoroskopisch geführt)
  • Physiotherapie und osteo­pathische Behandlung
  • Sattel-Anpassung und gegebenenfalls Reiterwechsel — wenn der Sitz nachweislich Teil der Auslösung ist

Ein nennenswerter Anteil der symptomatischen Pferde lässt sich allein damit über Jahre symptom­frei halten. Erst wenn nach 6–9 Monaten konservativer Therapie keine ausreichende Besserung eintritt oder das Pferd unter Belastung wieder einbricht, kommt die OP in Frage.

Stufe 2: ISLD — Interspinöse Ligament-Desmotomie (minimal-invasiv)

Die ISLD ist heute die OP-Methode der ersten Wahl. Sie wird am stehenden Pferd unter Sedierung und Lokal­anästhesie durchgeführt:

  • Über eine kleine Hautinzision (1–2 cm) zwischen den betroffenen Dornfortsätzen
  • Wird das interspinöse Ligament mit einem speziellen Skalpell durchtrennt
  • Das entlastet den Druck zwischen den Dornfortsätzen, ohne Knochen zu entfernen

Pro Eingriff können 2–6 Zwischenraum-Räume desmotomiert werden. Dauer: 30–60 Minuten. Pferd kann am gleichen Tag oder am Folgetag die Klinik verlassen. Die Methode hat sich in den letzten 10 Jahren als Standard durchgesetzt, weil sie weniger invasiv als die klassische Resektion ist, die Reha kürzer und die Erfolgs­quote nach veröffentlichten Studien deutscher und niederländischer Kliniken bei sorgfältiger Patienten­auswahl zwischen 70 und 85 Prozent liegt.

Stufe 3: Spinous-Process-Resektion (klassisch)

Wenn die ISLD nicht ausreicht — etwa bei massiver knöcherner Auf­treibung oder mehreren benachbarten betroffenen Wirbeln — wird die klassische Resektion der Dornfortsätze durchgeführt:

  • Unter Vollnarkose in Seitenlage
  • Mit Säge oder Knochenmeißel werden 2–4 cm der betroffenen Dornfortsätze entfernt
  • Anschließend wird die Muskulatur und Haut schichtweise verschlossen

Diese OP ist deutlich invasiver: Vollnarkose mit allen damit verbundenen Risiken (vor allem postoperative Aufstehphase), längerer Klinik-Aufenthalt, größere Wunde, höhere Komplikations­rate, längere Reha. Die Methode ist aber bei schweren Befunden weiterhin Goldstandard und wird in spezialisierten Pferdekliniken regelmäßig durchgeführt.

Die echten Kosten

Eine Kissing-Spines-OP fällt nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) an. Die GOT wurde am 14.10.2022 vom Bundesrat überarbeitet und im November 2022 in Kraft gesetzt; tierärztliche Leistungen sind seitdem im Schnitt um rund 20 Prozent teurer als zuvor.

Realistische Kostenstruktur einer Kissing-Spines-Behandlung (2026):

  • Klinische Untersuchung, Röntgen Brust-/Lendenwirbel­säule, ggf. Szintigraphie, diagnostische Anästhesie: 600 – 1.500 €
  • Konservative Vorbehandlung (Stoßwelle, Cortison-Infiltration, Physiotherapie über mehrere Monate): 800 – 2.500 €
  • ISLD-OP (minimal-invasiv, am stehenden Pferd, 2–6 Zwischenräume): 1.800 – 3.500 €
  • Klassische Spinous-Process-Resektion unter Vollnarkose, mit Klinik-Aufenthalt 3–7 Tage: 4.000 – 8.000 €
  • Postoperative Rehabilitation (Physiotherapie, Aqua-Trainer, kontrolliertes Aufbau-Training über 6–12 Monate): 1.500 – 4.000 €

Summen-Spanne, je nachdem welcher Weg gegangen wird:

  • ISLD-Pfad inklusive Diagnostik und Reha: 5.000 – 9.000 €
  • Klassische Resektion mit voller Reha: 8.000 – 14.000 €

Diese Bandbreiten basieren auf öffentlich kommunizierten Preisstrukturen großer deutscher und niederländischer Pferdekliniken (etwa Tierärztliche Klinik Lüsche, Pferdeklinik Hochmoor, Klinik für Pferde TiHo Hannover, Equine Hospital Wolvega) und den 2-fach- bis 4-fach-GOT-Sätzen. Eine konkrete Rechnung kann darunter oder darüber liegen.

Wichtig: Im Gegensatz zur Kolik ist Kissing Spines kein Notfall. Die OP wird geplant, die Klinik wählt man bewusst, der GOT-Satz im Normalfall liegt regulär bei 2-fach (Notdienst-Satz bis 4-fach entfällt). Trotzdem summiert sich der Gesamtaufwand schnell auf einen fünfstelligen Betrag, weil die Reha den größeren Posten ausmacht als viele denken.

Warum die Reha so lang ist

Das ist der Punkt, den die meisten Halter unterschätzen — und an dem sich die Tarif-Wahl entscheidet:

  • Erste 4–6 Wochen Box-Ruhe / Schrittführen an der Hand
  • Wochen 6–12: Schritt­arbeit unter dem Sattel ohne Anlehnung
  • Monate 3–6: Aufbau im Schritt-Trab, kontrollierte Cavaletti, Geländeritte
  • Monate 6–12: voller Wiederaufbau in alle Gangarten und Lektionen
  • Volle Belastung mit Springen oder Lektionen-Dressur frühestens nach 12 Monaten

Während dieser Zeit braucht das Pferd in der Regel begleitende Physiotherapie, oft Aqua-Trainer oder Solarien, manchmal weitere Cortison-Infiltrationen wenn einzelne Punkte nach­schmerzen. Dieser Block — 12 Monate sorgfältige Nach­behandlung — ist kosten­technisch fast immer relevanter als der eigentliche operative Eingriff. Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen den Tarif-Varianten.

Was die BarmeniaGothaer-Versicherung übernimmt

Die wichtigsten Punkte für Kissing Spines in den Versicherungs­bedingungen sind die Wartezeit und der Nachbehandlungs-Zeitraum.

Wartezeit (AVB Ziffer 2.2.2): Für Versicherungsfälle aufgrund von Krankheit gilt die allgemeine Wartezeit von 3 Monaten. Kissing Spines ist eine Krankheit, kein Unfall — die kurze 5-Tage-Wartezeit (die nur für Kolik gilt) greift hier nicht. Wer also Symptome schon vor dem Versicherungs­abschluss bemerkt hat (auch wenn die Diagnose noch nicht steht), läuft Gefahr, in den Ausschluss bekannter Beeinträchtigungen (AVB Ziffer 3.1) zu rutschen — selbst wenn die Operation erst Monate nach Vertrags­abschluss stattfindet.

Was die drei Tarif-Varianten konkret leisten:

Basis-OP-Schutz (laut Tarif­übersicht ab 22,68 € / Monat für ein gesundes mittelaltes Pferd):

  • Höchstentschädigung: 2.500 € je OP
  • Nachbehandlung: 7 Tage stationär
  • Bei einer ISLD mit 5.000 € Gesamt­aufwand: Versicherung übernimmt 2.500 €, der Halter trägt 2.500 € selbst — und die mehrmonatige ambulante Reha außerhalb der 7 Tage stationärer Nachbehandlung gar nicht

Top-OP-Schutz (ab 36,21 € / Monat):

  • Keine Höchstentschädigung je OP
  • Erstattung des erstattungs­fähigen GOT-Satzes
  • Nachbehandlung: 10 Tage stationär
  • Bei einer ISLD von 5.000 €: in der Regel volle Erstattung des Eingriffs, die ambulante Reha über mehrere Monate aber nur eingeschränkt

Premium-OP-Schutz (ab 59,17 € / Monat):

  • Keine Höchstentschädigung je OP
  • Erstattung bis 4-fachem GOT-Satz im Notdienst (bei Kissing Spines weniger relevant, weil kein Notfall)
  • Nachbehandlung: 14 Tage stationär
  • Bis zu 5 zusätzliche physiotherapeutische Behandlungen je max. 60 Minuten nach Ablauf der stationären Frist (AVB Ziffer 2.3.4) — und damit der relevanteste Mehrwert für die lange Kissing-Spines-Reha
  • Regenerative Therapien (IRAP, PRP, Stammzellen) zusätzlich gedeckt — Methoden, die bei Kissing Spines in einigen Kliniken im Reha-Konzept eingesetzt werden

In allen drei Tarifen gilt: Die Versicherung leistet bei freier Klinikwahl in Deutschland, bei vorübergehenden Auslands­aufenthalten weltweit bis 12 Monate (AVB Ziffer 2.5).

Praxis-Konsequenz für Kissing Spines: Wegen der langen Nach­behandlungs-Phase ist hier der Premium-Schutz wirtschaftlich am sinnvollsten, sofern das Pferd zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch keine relevanten Rücken-Symptome zeigt. Top-Schutz funktioniert für die OP selbst, aber die Reha-Decken-Lücke bleibt. Basis-Schutz ist bei Kissing Spines mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichend.

Häufige Fragen

Greift die Versicherung auch, wenn nur konservativ behandelt wird (Stoßwelle, Cortison, ohne OP)? Nein. Die Pferde-OP-Kosten­versicherung deckt operative Eingriffe und damit unmittelbar verbundene Leistungen ab. Eine rein konservative Therapie ohne OP wird nicht erstattet. Das gilt auch für die mehrmonatigen Vor­behandlungen mit Stoßwelle, Cortison oder Physiotherapie — sofern sie nicht im Nach­behandlungs-Zusammenhang mit einer durchgeführten OP stehen.

Wird die ISLD im Stehen genauso erstattet wie die Resektion in Vollnarkose? Ja. In AVB Ziffer 2.1.1.1 a) sind Eingriffe „unter Narkose / Sedierung / Lokalanästhesie / 'Standnarkose'" explizit gleich gestellt, sofern Haut oder darunter liegendes Gewebe mehr als punktförmig durchtrennt wird. Die ISLD erfüllt das Kriterium. Welche Methode in deinem Fall sinnvoller ist, entscheidet die Klinik — die Versicherung erstattet beide.

Was, wenn das Pferd zwei Kissing-Spines-OPs nacheinander braucht? Im Verlauf der gleichen Erkrankung gilt nach AVB Ziffer 2.1.2.3 ein „verlängerter Versicherungs­fall" — mehrere Operationen wegen derselben Krankheit zählen als ein zusammen­hängender Versicherungsfall, der erst mit Ende des Nach­behandlungs-Zeitraums nach der letzten OP endet. Im Basis-Schutz wird die Höchst­entschädigung je OP (2.500 €) auf jede OP separat angewandt; im Top- und Premium-Schutz gibt es keine Jahres-Höchstgrenze.

Mein Pferd hat schon einmal ein „Beschwerden im Rücken"-Vermerk in der Tierarzt-Karte. Kann ich noch versichern? Versichern: technisch ja, sofern die Aufnahme-Voraussetzungen (kein OP in den letzten 18 Monaten, keine angeratene OP, keine bekannten Behinderungen) erfüllt sind. Aber: Bekannte Beeinträchtigungen bei Antrags­stellung sind vom Versicherungs­schutz dauerhaft ausgeschlossen (AVB Ziffer 3.1). Wer mit dokumentierten Rücken­problemen in den Vertrag geht, hat für eine spätere Kissing-Spines-OP kein gutes Argument bei der Leistungs­prüfung. Vor Vertrags­abschluss versichern lohnt vor allem dann, wenn das Pferd noch keine relevante Rücken-Historie hat.

Wie hoch ist die Erfolgs­quote der OP, und was passiert, wenn sie nicht funktioniert? Veröffentlichte Studien deutscher und niederländischer Klinik-Gruppen geben für die ISLD bei sorgfältiger Patienten­auswahl Erfolgs­quoten zwischen 70 und 85 Prozent an — gemessen daran, dass das Pferd nach 12 Monaten Reha wieder symptom­frei reitbar ist. Das heißt aber auch: 15–30 Prozent der Pferde sprechen nicht ausreichend an oder entwickeln Sekundär-Probleme. Eine Folge-OP ist möglich (siehe Frage „verlängerter Versicherungs­fall"). In schweren Fällen bleibt nur eine reduzierte Nutzung oder Frührente.

Kann ich vor der OP die direkte Abrechnung mit der Klinik aktivieren? Ja. Die BarmeniaGothaer sieht in AVB Ziffer 4.4 die direkte Abrechnung zwischen Versicherung und Tierklinik vor. Du musst das vor der OP aktiv beantragen, die Klinik muss zustimmen. Wie die Mechanik im Detail funktioniert, ist im separaten Beitrag Direktabrechnung mit der Tierklinik erklärt.

Was du mitnehmen solltest

Kissing Spines ist die Diagnose, an der sich der Wert eines höheren Tarifs am klarsten zeigt — nicht wegen der OP-Kosten selbst, sondern wegen der 12-monatigen Reha, die danach kommt. Wer mit Basis-Schutz operieren lässt, hat 2.500 € Cap für die OP und 7 Tage stationäre Nach­behandlung — die ambulante Physiotherapie und der mehrmonatige Wiederaufbau bleiben aus eigener Tasche. Im Top- und Premium-Schutz fällt diese Lücke deutlich kleiner aus, im Premium-Schutz mit den 5 zusätzlichen Physio-Behandlungen und der Deckung regenerativer Therapien am kleinsten.

Wichtig ist außerdem die Zeit-Logik: Kissing Spines ist eine Krankheit, also gilt die volle 3-Monats-Wartezeit. Wer Symptome schon vor dem Vertrags­abschluss bemerkt — auch wenn die Diagnose noch nicht steht — sollte das ehrlich angeben, sonst droht beim Schadenfall die Auseinandersetzung über bekannte Beeinträchtigungen. Wer mit einem gesunden, unauffälligen Pferd in den Vertrag geht, hat die volle Bandbreite des Schutzes.

Wer die Gesamt-Kostenstruktur einer Pferde-OP über alle gängigen Diagnosen hinweg verstehen will (Kolik, Hufrolle, Sehne, Gelenk, Tumor, Augen, Zahn-OP/EOTRH, Frakturen), findet sie im Pillar-Artikel: Pferde-OP-Kosten und 7 reale Rechnungs-Beispiele 2026.

Für die Reha-Phase nach jeder Pferde-OP — nicht nur Kissing Spines — schau in den Cluster-Artikel Reha nach Pferd-OP: Dauer, Kosten, was zu beachten ist. Wenn du Sehnenschäden in der gleichen Größen­ordnung interessiert (lange Reha, schwieriger Wiederaufbau), passt Sehnenschaden beim Pferd. Und wenn du grundsätzlich überlegst, ob eine Pferde-OP-Versicherung in deinem Fall überhaupt sinnvoll ist, hilft Pferde-OP-Versicherung — lohnt sich das wirklich?.

Quellen

  1. BarmeniaGothaer — AVB Pferde-OP-Kostenversicherung, Wartezeiten (Ziffer 2.2.2), Ausschluss bekannter Beeinträchtigungen (Ziffer 3.1), verlängerter Versicherungsfall (Ziffer 2.1.2.3), Nachbehandlung Premium-Schutz (Ziffer 2.3.4), Stand 01.01.2024
  2. BarmeniaGothaer — Tarifübersicht Pferde-OP-Kostenversicherung (Aufnahme-Voraussetzungen, Tarif-Stufen Basis/Top/Premium)
  3. Bundesrat — Beschluss zur Gebührenordnung für Tierärzte (Sitzung am 14.10.2022)
  4. Bundestierärztekammer (BTK) — Informationen zur Gebührenordnung für Tierärzte (GOT 2022)
  5. Tierärztliche Hochschule Hannover — Klinik für Pferde (Informationen zur Rückenchirurgie und Diagnostik bei Pferden)
  6. Tierärztliche Klinik Lüsche — Pferdeklinik mit Schwerpunkt orthopädischer Chirurgie (Informationen zu Kissing-Spines-Behandlung und ISLD)
  7. Pferdeklinik Hochmoor — Veröffentlichungen und Informationen zu Rückenchirurgie am Pferd
  8. Equine Hospital Wolvega (Niederlande) — Spezialklinik für Pferde mit Schwerpunkt orthopädischer Chirurgie inkl. Kissing-Spines-Behandlung

Stand der Information: zum Veröffentlichungsdatum dieses Beitrags. Tarif- und Gebührenangaben können sich ändern. Dieser Beitrag dient zur allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Verbindlich sind ausschließlich die jeweiligen Versicherungsbedingungen und Tarifinformationen.

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